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Pastor Ulrich Rüß: Singen Gottessünde?

Pastor Ulrich Rüß (Hamburg).
Pastor Ulrich Rüß (Hamburg).

Singen im Gottesdienst Sünde?
Gegen das Singverbot im Gottesdienst

Mit Freude nimmt man zur Kenntnis, daß das umstrittene Gottesdienstverbot nun endlich unter Auflagen aufgehoben werden soll. Der Staat empfiehlt den #Kirchen neben dem verständlichen Abstandsgebot und einer beschränkten Zahl der Gottesdienstbesucher ein Singverbot, weil er durch das Singen eine verstärkte Möglichkeit der Übertragung des #Coronavirus fürchtet.

Dieses Singverbot ist nicht nachvollziehbar, wenn die Gottesdienstbesucher dann nötigenfalls noch größere Abstände zueinander haben, die die Gefahr der Übertragung des Coronavirus ausschließt. Die meisten Kirchen lassen das mit ihrer Größe ohne weiteres zu.

Ein Gottesdienst ohne Gemeindegesang, ohne das Singen von Liturgie und Chorälen verliert Elementares am gottesdienstlichen Geschehen. Geht es doch hier um gesungenes Gebet in Lobpreis, Anbetung und Fürbitte. Das gemeinsame Singen unterstreicht den Gemeinschaft stiftenden Charakter, belebt und ermuntert das Gemüt. Der Gesang macht den Gottesdienst feierlicher und fröhlicher und stärkt den Glauben.

Das Gemeinsame Singen war für die Evangelische Kirche immer konstitutiv für den Gottesdienst. Man ließ nicht nur singen, alle sangen gemeinsam und nahmen auf diese Weise aktiv am Gottesdienst teil. Seit der Reformation gilt das.

„Wer singt, betet doppelt!“ Dieses Zitat wird Augustinus zugeschrieben und Martin #Luther hat es sich  zu eigen gemacht. Umso fragwürdiger ist ein Singverbot für den Gottesdienst.

In wenigen Tagen, am 10. Mai, feiert die Kirche den 4. Sonntag nach Ostern. Dieser Sonntag trägt den Namen Kantate, abgeleitet von dem Psalm 98,1 „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ 

Ein #Singverbot, ausgerechnet am Sonntag Kantate, der die Christen zum Singen auffordert? Das ist nicht vermittelbar, auch in Coronazeiten nicht, insofern die Sicherheitsregeln extensiv und konsequent beachtet werden. 

Das Wochenlied für den Sonntag Kantate ist ein Choral von Paul Gerhardt (EG 302) „Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön…“ 

Man muß im Gottesdienst ja nicht alle 8 Strophen singen, 2 oder 3 Strophen tun es in diesen Zeiten auch. 

Aber fest steht: Gemeinsames Singen im Gottesdienst fördert die Gemeinschaft, ist Stärke für Seele, Glauben und Gemüt. Und das gerade jetzt.

Ulrich #Rüß, Hamburg

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